Theresien-Gymnasium Ansbach

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Forschungszentrum Jülich

Das Forschungszentrum (FZ) Jülich liegt inmitten des Stetternicher Forstes in Jülich (Kreis Düren, Rheinland) - 30 km von Aachen, der westlichsten Stadt Deutschlands, entfernt – und umfasst eine Fläche von zirka 2,2 km2. Es betreibt national und international vernetzt große Forschungsprojekte aus den Gebieten Physik, Supercomputing und weitere interdisziplinäre Forschung in den Bereichen Gesundheit, Energie, Umwelt und Informationstechnologie. Mit rund 5000 Mitarbeitern im Jahr 2012 gehört es zu den größten Forschungseinrichtungen Europas (1700 Wissenschaftler, davon etwa 600 Doktoranden und Diplomanden). 2007 wurden im Forschungszentrum etwa 350 Menschen in 20 verschiedenen Berufen ausgebildet. In Kooperation mit der RWTH Aachen und der Fachhochschule Aachen existieren außerdem kombinierte Ausbildungs- und Studiengänge.

Forschungszentren sind akademische Einheiten, die Forschungsprojekte durchführen. Dafür wird eine bestimmte Menge an Ressourcen (Geld, Personal, Informationen, Forschungsinstrumente) zur Verfügung gestellt. Zu den wichtigsten öffentlichen Forschungszentren in Deutschland gehören neben Universitäten die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft und die Bundesinstitute mit Forschungsaufgaben.

Das FZ-Jülich wurde 1956 als Atomforschungsanlage gegründet. Dabei wurde wegen der Angst vor Strahlenbelastung auf ausreichende Entfernung zu größeren Städten geachtet und eine eigene Wetterstation gebaut. Die zwei Forschungs­reaktoren wurden aber bereits 1985 abgeschaltet und bis ins Jahr 2008 (so lange dauert das) vollständig zurückgebaut. Durch dieses gelungene Projekt ist das FZ auch im Bereich der Optimierung des Reaktorrückbaus tätig, welcher in den nächsten Jahren in Deutschland von großer Bedeutung sein wird. Außerdem beher­bergt das Forschungszentrum einen Beschleuni­gerring mit Strahlkühlung namens COSY (Cooler Synchrotron), der von Kernphysikern genutzt werden kann.

Das Ziel der Jülicher Forschung ist es, zu einer sicheren, bezahlbaren und umweltschonenden Energieversorgung für das 21. Jahrhundert beizutragen. Hierzu entwickelt Jülich neue Ansätze auf den Gebieten erneuerbarer Energien, Speicher­technologien, Energieeffizienz und trägt zum Verständnis des Gesamtsystems Energie – Klima – Umwelt bei. Neben der umweltschonenden und nachhaltigen Nutzung von Ökosystemen forscht man auch an einem Fusionsreaktor (TEXTOR) als Alternative zur Kernenergie. Das FZ versucht außerdem, die komplexen Vorgänge des Gehirns zu verstehen. Dies ist die Voraussetzung dafür, Hirnerkrankungen, wie zum Beispiel Parkinson, besser diagnostizieren und therapieren zu können. Die Forscher erreichten sogar, das für Parkinson typische Zittern zu unterdrücken. Mit Hilfe des Jülicher Supercomputers JUGENE gelang es Wissenschaftlern 2008, die Masse von Protonen und Neutronen neu zu berechnen. Man kann in Jülich auch Teile der Rechnerleistung der unter­schiedlichen Supercomputer für wissenschaftliche Zwecke mieten. Dabei liegt die Stärke der Supercomputer darin, mehrere Operationen parallel durchzuführen. Bei üblichen Computern für den Privatgebrauch wird auf einem Vierkernprozessor gearbeitet, in Jülich rechnet man mit maximal 73728 parallelgeschalteten Quadcoreprozessoren. Der Supercomputer JUQUEEN liegt 2015 im Weltranking auf Platz 8 (http://www.top500.org/ ).

Die Entdeckung des GMR-Effekts von Peter Grünberg, die immer platzsparendere Datenträger möglich machte, holte 2007 sogar den Nobelpreis für Physik nach Jülich. Aber auch die Erzeugung von Antimaterie gelang nur zusammen mit Wissenschaftlern aus Jülich unter Leitung von Prof. Dr. Walter Oelert. Die Geräte und Instrumente, die in Jülich für die internationale Großforschung entwickelt und gebaut werden, sind einzigartig. So gibt es zum Beispiel ein Raster-Elektronen-Mikroskop (REM), oder einen Magnetresonanztomographen (MRT), der 2009 im Forschungs­zentrum in Kooperation mit Siemens Healthcare gebaut wurde. Mit einer Feldstärke von 9,4 Tesla gibt das einzigartige Großgerät den Wissenschaftlern ein noch klareres Bild von Gewebestrukturen des menschlichen Hirns. Sogar das Verhalten einzelner Zellen im lebenden Organismus lässt sich verfolgen, wenn sie mit Kontrastmitteln markiert werden. In Kombination mit einem Positronen­emissionstomographen (PET), lassen sich Stoffwechselvorgänge detailgenau beobachten.

Das sind nur einige wenige Beispiele für die Bandbreite der Themen, an denen Jülicher Forscherinnen und Forscher arbeiten und so zur Lösung komplexer Probleme beitragen. (H. Großmann)

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