Theresien-Gymnasium Ansbach

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Wenn Apfel auf Anti-Äpfel treffen

Großes Interesse am Vortrag des Physikers und Forschers Prof. Dr. Walter Oelert

ANSBACH (af) - In die geheim­nisvolle Welt der Antimaterie entführte der renommierte deutsche Physiker Prof. Dr. Walter Oelert am Ansbacher Theresien-Gymnasium (ThG). Das Interesse am Vortrag war gewaltig: Schulleiter Karlheinz Bundschuh und Oberstudienrat Peter Feldner, Fachbetreuer für Physik, begrüßten laut eigenen Angaben rund 250 Gäste in der Aula.

Zuhörer, die physikalisches Vor­wissen mitgebracht hatten, waren klar im Vorteil bei dem kurz und knackig gehaltenen Ausflug in die Naturwissenschaft. Wer weniger mit Neutronen, Protonen und Elektronen anfangen konnte, erhaschte immerhin einen Blick auf einen be­deutenden Experten auf dem Gebiet der Antimaterie-Forschung. Das ThG hatte den Vortrag gemeinsam mit dem Naturwissenschaftlichen Verein Ansbach organisiert.

Prof. Dr. Walter Oelert arbeitete unter anderem am Forschungszentrum in Jülich. Aktuell ist er dem Institut für Physik der Johannes-Gu­tenberg-Universität Mainz angeschlossen und forscht am CERN, der europäischen Organisation für Kernforschung. Über die Grenzen seines Fachbereichs hinaus bekannt wurde er, als es ihm 1995 gelang, gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe am CERN erstmals Antiwasserstoffato­me herzustellen und zu beobachten. Mit dem aufsehenerregenden Experiment habe er es, so hieß es, auf die bis dato einzige naturwissenschaftliche Titelseite des Magazins „Der Spiegel" geschafft.

„Zu jedem Element der Materie gehört ein Element der Antimaterie", erklärte Prof. Dr. Oelert seinen Zuhörern. Mit der Versicherung, dass es „praktisch nicht realisierbar" sei, mit einer Ansammlung von Antimaterie den Vatikan zu vernichten, beruhigte er all jene, die Dan Browns Er­folgsroman „Illuminati" möglicherweise etwas zu wörtlich genommen hatten.

Anhand einer Powerpoint-Präsentation bemühte sich der Experte, physikalische Begriffe auch für Laien verständlich zu machen. Teilchen und Antiteilchen, die sich nach dem Urknall gegenseitig auslöschten, wurden kurzerhand durch Äpfel und Anti-Äpfel versinnbildlicht.

Für ein physikalisches Problem hat auch Prof. Dr. Oelert noch keine abschließende Lösung gefunden: Die Frage, warum nach dem Urknall ei­nes von einer Milliarde Materiepar­tikeln übrig blieb, während sich 99,99999999 Prozent der Teilchen und Antiteilchen gegenseitig aus­löschten, bewegt Physiker in der ganzen Welt. Auch Laien sollten das Phänomen angemessen würdigen: In dem so winzig erscheinenden Rest ist immerhin die gesamte Menschheit enthalten...

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Bericht der FLZ vom Mittwoch, 28. Januar 2015