Theresien-Gymnasium Ansbach

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Die Vermessung des Protons

Dr. Randolf Pohl vom Max-Planck-Institut für Quantenoptik war am 9. November 2012 zu Gast am Theresien-Gymnasium und berichtete den etwa 150 anwesenden Gästen von seiner spannenden Forschungstätigkeit.

Als Sprecher und Teamleiter eines internationalen Forscherteams am schweizerischen Paul-Scherrer-Institut gelang es Herrn Pohl im Jahr 2009, den Protonenradius viel genauer als vorher zu bestimmen. Durch Laserspektroskopie an myonischen Wasserstoffatomen wurde die 2S - 2P - Lambverschiebung so gemessen, dass dadurch der mittlere quadratische Ladungsradius des Protons um einen Faktor 10 genauer als vorher bestimmt werden konnte. Diese Messungen erregten weltweit Aufmerksamkeit, da der neu bestimmte Protonenradius um 4% kleiner ist als der bisherige offizielle Wert – in den exakten Naturwissenschaften eine große Diskrepanz.

Neben der physikalisch-wissenschaftlichen Seite des Vortrags, bei dem Herr Pohl wohldurchdacht und anschaulich die Grundlagen der Forschungsvorhaben erläuterte, ging es dem Nachwuchswissenschaftler aber auch darum, von der Innensicht eines Forschers zu berichten. Lebendig und persönlich erzählte er von den langen Durststrecken, den spannenden Entscheidungen und der Freude, wenn man am Ziel ist. Pohl betonte, dass die Grundlagenforschung eine zivilisatorische Errungenschaft darstellt – und daneben einfach wahnsinnig viel Spaß und Freude bereiten kann. Die Forschungskollaboration von mehr als 30 Teilnehmern aus 12 Ländern habe zusammen gearbeitet, gelitten und gefeiert. Nicht nur auf das Titelblatt der angesehenen Fachzeitschrift „Nature“ haben sie es geschafft, auch das koreanische Fernsehen berichtete über ihren Erfolg – der bei einer etwas anders verlaufenen Weichenstellung einige Jahre früher leicht auch ausgeblieben wäre. So aber reihte sich der Vortrag am ThG ein in solche in Harvard oder eigenen Konferenzen zum Forschungsthema.

Die Veranstaltung fand wieder in Kooperation mit dem Naturwissenschaftlichen Verein Ansbach statt, welcher den Kontakt zum Referenten hergestellt hatte. Herr Dr. Pohl ist am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching Mitarbeiter des Nobelpreisträgers Prof. Hänsch. 2012 verlieh die Deutsche Physikalische Gesellschaft Herrn Dr. Randolf Pohl den Gustav-Hertz-Preis für junge Physikerinnen und Physiker.